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Max Peter Baumann, Tim Becker, Raphael Woebs (Hg.):

Musik und Kultur im jüdischen Leben der Gegenwart


Kulturwissenschaften, Bd. 2, Frank und Timme Verlag, Berlin 2006.

282 Seiten

ISBN: 978-3-86596-024-5 / 9783865960245

ISBN: 3-86596-024-3 / 3865960243




     

Der vorliegende Sammelband ist aus einem Partnerschaftsprojekt der Otto-Friedrich-Universität Bamberg mit der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg hervorgegangen. Im Zusammenhang mit der Wiedererrichtung der Synagoge in Bamberg soll somit ein nachhaltiges Zeichen der kulturellen sowie interreligiösen Verbundenheit gesetzt werden. Musik, Texte, Lieder und Bilder, Profanes wie Sakrales, werden auf dialogische Weise aufeinander bezogen und zusammengeführt, um mit Ideen, Anschauungen, Interpretationen und Reflexionen, Fragen zur Geschichte und Gegenwärtigkeit jüdischen Lebens und Glaubens aus dem facettenreichen Spektrum unterschiedlicher Perspektiven zu vertiefen.

Max Peter Baumann ist Professor für Ethnomusikologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Tim Becker und Raphael Woebs sind gemeinschaftliche Leiter des "institut denkunternehmung" - Forschungsinitiative für Musik- und Kulturwissenschaften.
       


Inhalt:

Max Peter Baumann
Vorwort

Heinrich C. Olmer
Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland nach 1945 - unter besonderer Berücksichtigung der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg

Klaus Guth
Jüdische Feste im fränkischen Dorf.
Erinnerungen und Erinnerungslücken (1919-1933)

Heinz-Günther Schöttler
"Auf der Ebene ihrer je eigenen Identität verbunden" (Johannes Paul II.) - Theologische Überlegungen zu einem neuen Verhältnis von Kirche und Israel und zum christlich-jüdischen Dialog

Heinrich Bedford-Strohm
"Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen" - Dietrich Bonhoeffer und die Juden

Tim Becker
Einflüsse jüdischer Philosophie auf die Musikästhetik der Gegenwart

Max Peter Baumann
Klezmermusik und Klezmorim im Zeitalter der Globalisierung

Antje Deusel
Musikalische Inhalte des Schabbatg'ttesdienstes

Markus Jüngling
Assimilation und A-Topie in der Ästhetik eines "jüdischen Filmemachers". Amos Gitai und sein "EXIL" - Werk

Martin Zenck
Die unterdrückte und verfolgte Geschichte als Teil der Geschichtsschreibung. Probleme ihrer Integration? Zu Kompositionen von Stefan Wolpe, Erich Itor Kahn, Karl Amadeus Hartmann und Pierre Boulez um 1945

Raphael Woebs
Jüdische Tradition im Spiegel Neuer Musik - einige essayistische Gedanken zu Arnold Schönbergs Chorwerk "Ein Überlebender aus Warschau"

Karl-Konrad Seufert
Marc Chagall und die jüdische Lebenswelt.
Ein biographischer Streifzug

Ortwin Beisbart
Eine Sprache finden. Literarische Wege aus dem Schweigen über den Holocaust

Heinz Gockel
Poésie engagée
Erich Frieds Lyrik

Reihe Historische Anthropologie, Band 34, Berlin 2007

Die Neue Zeitschrift für Musik über das Buch:

Dass und wie der Tod in allen 15 Beiträgen thematisiert wird, lässt den Band über weite Teile auch als eine "Asthetik der letzten Dinge" lesen. Da ist die Rede von der "Arbeit des Todes", von "Tod und Schöpfung", von der "Gnade des Todes', von der "Überwindung des Todes", vom "Tod als letzte[r] Aufgabe", vom "Zwischenraum von Leben und Tod". Vielleicht ist es gerade das Insistieren auf diesem Aspekt, mit dem sich das Buch einem großen Kreis von Lesern empfiehlt. Die wären nach der Lektüre nicht nur über das Kainsmal der Gewalt in den Künsten und Medien ins Bild gesetzt, sie könnten womöglich - jenseits aller wissenschaftstheoretischen, kunstphilosophischen, semiotischen und medienkritischen Ambitionen der Texte - eine Erfahrung machen, die Helmut Lachenmann einmal "existentielle Erfahrung" genannt hat. Sie lässt sich in ganz schlichte Worte fassen: Wir im Bilde.

Neue Zeitschrift für Musik 6/2007, S. 89


Inhalt

Martin Zenck
Darstellung von Gewalt und Darstellungsgewalt. Heinrich von Kleists "Legende": "Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik"

Martin Zenck
Gewalt / Bild-Schnitt / Fragmentierung. Beethovens späte Streichquartette in Jean-Luc Godard's Film "Prénom Carmen"

Petra Maria Meyer
"Denn an diesen Bildern deutet er sich das Leben." Zur medienethischen Funktion einer anderen Erinnerung an den Schrecken des Krieges in Filmen von Alain Resnais und Andrej Tarkowskij

Markus Jüngling
Zwei Arten das Grauen zu beschreiben. Überwältigungsgewalten von Musik und Bewegungs-Bild in den Vietnamkriegsfilmen "Platoon" (1986) und "Apocalypse Now" (1979)

Alice Staskova
Der Tod und die Wiederholung: Die Reise ans Ende der Nacht von Louis-Ferdinand Céline

Tim Becker
Der greifbare Tod. Zur Entbildlichung musikalischer Darstellung in Wolfgang Rihms Deus passus

Christine Fesefeldt
Das Geschenk der Gabe von Geburt und Tod in Pierre Boulez' Don und Tombeau im Mallarmé-Werkzyklus Pli selon pli

Veronika Darian
Erlesene Bilder - Repräsentationen in Zeiten souveräner Macht

Ewa Pychal
Das Schöne und das Schreckliche in der Oper Schwarzerde von Klaus Huber

Günther Heeg
Bilderstarrung. Zur Konstitution von Totengemeinschaften

Raphael Woebs
Zur Darstellung und Darstellbarkeit von Gewalt, Schrecken und Tod am Modell der "Sonate 27. April 1945" für Klavier von Karl Amadeus Hartmann

Elisabeth Oy-Marra
Bildstrategien von Schrecken und Erlösung. Der geschundene Körper christlicher Märtyrer in der Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts

Jörn Peter Hiekel
"Abstieg in die Formlosigkeit". Jean Barraqués Komposition "Chant après chant"

Martin Zenck
Bild - Schrift - Zeichen /Zahl in Begräbnismusiken und Gedächtnisstücken des 20. Jahrhunderts