Der Pianist Bernhard Böttner wurde 1924 in Schmalkalden/Thür. geboren. In vielfältiger Hinsicht wegweisend, hat er als Künstler, Pädagoge, Festspielinitiator und als Forscher auf dem Gebiet der pianistisch-physiologischen Spieltechnik, sowie kulturpolitisch durch seine musikstrukturellen Initiativen, besonders auch im Bereich des Kulturaustausches (vor allem mit den osteuropäischen Ländern), internationalen Ruf erlangt.

Bernhard BöttnerIn Meiningen aufgewachsen, war Böttner Privatschüler des Komponisten Günter Raphael während dessen Verfemung im 3. Reich, studierte in Leipzig bei Hermann Abendroth und Joh. Nep. David Dirigieren, Klavier bei Sigfrid Grundeis. Es folgten Kapellmeisterengagements an der Staatsoper Katovice, in Meiningen und Weimar. Sein Solistendebut gab Böttner 1947 unter J. Keilberth mit der Dresdner Staatskapelle. Weitere berühmte Dirigenten, wie F. Konwitschny, D. Mitropoulos (New York), H. Rosbaud und H. Scherchen gaben seiner Karriere entschneidende Impulse. Böttner lebte bis 1964 in Berlin, seither in Sommerhausen/Main und Prag. Er konzertierte wiederholt mit dem Berliner Philharmonischen Orchester, den Münchner Philharmonikern, dem Gewandhausorchester Leipzig und mit fast allen deutschen Staats- und Rundfunk-Sinfonieorchestern. Auslandsreisen führten durch ganz Europa, einschließlich vieler Russland-Tourneen. Böttner wurde als erster Deutscher nach dem Kriege von der Tschechischen Philharmonie Prag als Solist eingeladen und war einer der ersten Emissäre des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik im Kulturaustausch (u. a. im Vorderen Orient). Er war langjähriges Mitglied der Klavierbesetzung des „Philharmonischen Oktetts Berlin" und des Prager „Dvorak-Quartetts".

Böttner hat sich nach dem Kriege in herausragender Weise für Werke im 3. Reich verbotener Komponisten (u. a. Hartmann, Hindemith, Honegger, Raphael, Strawinsky) und moderne slawische Komponisten, wie Bořkovec und Malawski, insbesondere auch russisch-sowjetische Musik eingesetzt (über 130 Ur- und Erstaufführungen; darunter zuletzt die KZ-Sonate „27.Apri1 1945" von K. A. Hartmann auf dem Ill. Weltmusikfest 1988 in Leningrad). Er hat damit auf dem Gebiet der Pianistik einen singulären Beitrag zum Wiederanschluss Deutschlands an das Weltmusikleben geleistet. Arnold Schoenberg hat Böttner sein Klavierkonzert persönlich anvertraut. Seit dem Chopin-Fest 1949 war Böttner in erster Linie als Klassikerspieler hervorgetreten und galt als einer der letzten Zeugen großer deutscher Beethoven- und Klassikertradition.

Torturm SommerhausenWährend einer langen schweren Krankheit initiierte Böttner 1964 mit den Schirmherren P. Fournier, E. Gilels und H. Szeryng das erste vielbeachtete dezentrale klassische non-profit-Musikfestival „Recital Sommerhausen/Marktbreit" („Deutsches Solistenfest"/ bis 1982), dem bewusst ein dezidiertes Konzept zur Förderung junger deutscher Solisten und Ensembles zugrunde lag. Durch seine kulturpolitischen Initiativen wie durch eigene internationale Kontakte gab er, mehrfach Staatsgast ausländischer Regierungen, dem Kulturaustausch ganz eigene Impulse.

Darüber hinaus hat Böttner auf Grund seiner Forschungen auf dem Gebiet der pianistischen Spieltechnik nicht nur die erste physiologisch abgesicherte universelle Anschlagslehre vorgelegt, sondern auch hinsichtlich der physikalisch-akustischen Phänomene durch seine Entdeckung der 4. Tonfarbenkomponente aktualer Klangfarbengestaltung am Klavier (1981) weltweite Beachtung in der Klavierpädagogik und Medizin (Verhinderung von Spielschäden) gefunden. Er trat als Referent auf vielen pädagogischen und medizinischen Kongressen auf.

Böttner gehörte zu den wenigen deutschen Solisten der Bundesrepublik, die sich nicht nur als Künstler international hoch qualifiziert haben, sondern er hat sich wie kaum ein anderer zugleich durch seine Tätigkeit im berufsständischen und bildungspolitischen Bereich einen Namen gemacht.

Für sein Lebenswerk erhielt er 2005 das Bundesverdienstkreuz.

Zahlreiche Veröffentlichungen zu Fragen von Interpretation und Stilistik, zur Methodologie instrumentaler Spieltechnik und Kulturpolitik im Allgemeinen.
Schallplatten bei TELEFUNKEN, ELECTROLA und DECCA (sämtl. vergriffen).

Bernhard Böttner starb im August 2013.

Ochsenfurter Torturm in Sommerhausen.
Bernhard Böttners langjähriger Wohnsitz